Posts mit dem Label Slider werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Slider werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Sonntag, 7. Juni 2015

Ich bin wieder erwacht

Es ist nicht fair, einfach zu verschwinden, ohne ein Wort, ohne ein auf Wiedersehen.
Es ist nicht fair, diesen Blog mühsam und leidenschaftlich aufzubauen und ins Herz zu schließen und dann einfach so zu tun, als hätte es ihn nie gegeben. 
Und ich möchte mich all denen gegenüber entschuldigen, die seit Monaten auf diesen einen Blogpost warten, auf diesen einen Post, der alles abschließt. 

Aber ich schulde euch einen glorreichen Abschied, mit Konfetti, Champagner und Feuerwerk, denn ihr, im Gegensatz zu meiner Wenigkeit, seid diesem Blog meines Wissens stets treu geblieben. 

Sodenn, lasset die seidenen Vorhänge fallen, das hier ist mein Debüt. 
Der letzte Atemzug von Einmal um die halbe Welt
Mein Auslandsjahr ist vorbei. 
Dieses Kapitel meines Lebens ist zuende. 
Wir befinden uns auf der letzten Seite des Buches. 
Zeit für einen kleinen Rückblick.




Ich bin 363 Tage auf Abenteuerreise gewesen. 
Mein fünfzehntes Lebensjahr habe ich im Grunde genommen komplett im Ausland verbracht. 
Und es war kräftezehrend. Spannend. Aufrüttelnd. Überwältigend. Bewegend.
Doch ein Wort, dass das ganze Jahr zusammenfast, ist Entwicklung.
Ich hab' mein deutsches Nest verlassen, da konnte ich noch nicht fliegen. 
Der Flug von Hamburg nach München ist mein erster Flug gewesen, sowohl wortwörtlich als auch metaphorisch.
Ich war damals theoretisch noch ein Kind. Wusste noch nicht viel weder über mich noch den Rest der Welt. 
Ich bin in ein Abenteuer gestolpert, das mich weit über meinen Horizont getragen hat. 
Das klingt alles so bilderbuch-poetisch, als würde ich hier ganze Paragraphen aus irgendwelchen Reisewerbeprospekten kopieren. Aber nein, ich schreib' ausschließlich vom Herzen. Das ist wohl die für mich am bedeutsamste Erkenntnis. Dass ich ein Herz habe, das schlägt. Es schlug vorhin, und es schlägt jetzt, und gleich wird es auch noch schlagen.
Und ich habe zwei Augen, die mich die Welt sehen lassen.
Und ich habe zwei Füße, die mich durch die Welt tragen. 
Und ich habe ein Gehirn, das mich die Welt verstehen lässt. 
Ich bin hier, auf dieser Welt, ich bin am Leben, genau jetzt, und das ist so gewollt. 
In Australien bin ich jemand geworden. Jemand, der ich nie geworden wäre in Deutschland. Und jemand, auf den ich stolz sein kann. 


Wisst ihr, mein Auslandsjahr war nicht nur rosig und perfekt und ein Märchen. Es war keinesfalls ein Dauer-Urlaub. Das Jahr ist auch ein harter Kampf gewesen. 

Mir haben die extremen Lebensumstellungen sehr zu Schaffen gemacht, auch, wenn es in meinen Posts nie so den Eindruck danach erweckt hat. Denn die hab' ich geschrieben, wenn ich 'n fröhliches Eichhörnchen gewesen bin. Aber hinter den Kulissen spielt sich viel ab, von dem niemand wirklich was mitbekommt. 
Auch die Rückkehr nach Deutschland war alles andere als einfach. 
Jeder kannte mich noch. Aber niemand kannte mich mehr. 
Man hat nicht nur ein Auslandsjahr im Ausland. Man hat nochmal eins, wenn man wiederkommt.
Es war mir fast schon ein bisschen unheimlich; wie ein Zuhause so vertraut und doch zugleich so fremd sein kann. Der Fakt, dass meine Mutter sämtliche Küchenschränke und Schubladen ausgeräumt und umgeräumt und umgetauscht und neu sortiert hat, hat es mir nicht gerade erleichtert, hehe. Da kannte ich mich besser in einer Küche 14.000 km entfernt aus als in der Küche, in der ich aufgewachsen bin. Hm.
Auch das Angeln nach der korrekten deutschen Formulierung isn't quite as easy as i thought. Letzte Woche habe ich nach langem verzweifelten Raten nach einer passenden deutschen Übersetzung einfach den englischen Satz in meinen Kunsthefter übertragen.
Ja, und meine Eltern mussten auch so einige Male schmunzeln, als ich auf der Suche nach Begriffen wie "Kontostand" oder "Kriminalakte" mit Händen und Füßen um mein Leben artikulieren musste.
Und die Schule? Tja, nach einem Jahr Pappgiraffen basteln und Lion King analysieren hatte ich sichtlich wenig Ahnung weder von Logarithmen, noch von Proteinbiosynthese oder den politischen Taktiken der Großmächte nach der Kapitulation Deutschlands. 
Jetzt, nach fünf Monaten Deutschland, fühle ich mich zwar nicht mehr wie ein Flamingo zwischen Pinguinen, den Zustand der vollkommenen Vollkommenheit habe ich allerdings noch nicht erreicht. Und das wird glaube ich auch immer so bleiben. Irgendetwas wird mir immer fehlen. Jedoch ist das ein schönes Fehlen. Mehr so ein Fehlen, das an die Freiheit erinnert, so wie das Vögelzwitschern an den Frühling erinnert.
Meine kleine Gastschwester hat heute wieder in die Webcam gerufen; Anna i love you so much, i want to play with you, can you come back please?
Und der Plan steht; gleich nach meinem Abi besorg' ich mir gefälschte Papiere, schneid' mir nen Bob, überfall' 'ne Bank, oder fünf, buch' nen Last Minute Flug und here i come, down under! - nein, meine Lieben, ich mach doch nur Witze, ich würd' mir niemals 'nen Bob schneiden! ;)

Das mag vielleicht das Ende meines Auslandsjahres sein - aber es ist erst der Anfang meines Lebens.
Ich werd' doch noch weiter plätschern und noch so viele Pappkartons durch Innenstädte tragen, daran kann ich noch nicht mal im Traum denken. 
Und all die Galeeren, die mich noch stechen werden (oder nicht) - nicht nur portugiesische, vielleicht ja auch mal kanadische Galeeren, oder italienische, oder vielleicht die Chinesischen?
Große Ziele sind das, was uns den Willen gibt, die Treppen hochzulaufen. Und kleine Ziele sind die Stufen, die uns dorthin bringen, wo wir gerne mal sein möchten. 
Und hell yeah, hab' ich große Träume. 
Früher hatte ich Angst, sie zu erzählen. Angst vor Kritik und Zurückweisung. Angst, mich zu offenbaren, was bloß die anderen denken könnten, ach herrje - SCREW THEM. 
Screw them all!
Das ist mein Leben. Ich habe dieses eine Leben, und das lebe ich jetzt. Ich habe im warsten Sinne des Wortes keine Zeit, mich darum zu scheren, was die anderen denken - pff. Sollen se' doch denken. Ich kann sie doch eh nicht aufhalten. Also lass' ich mich auch nicht von ihnen aufhalten.
Vor Australien war ich zwar glücklich, irgendwie, aber zurückblickend sehe ich es heute eher so; ich hatte nichts, worüber ich hätte traurig sein sollen, also war ich eben glücklich. 
Doch ohne mein gewohntes Umfeld, meinen Freundeskreis, meine Familie, mein kleines aber feines norddeutsches Dorf, was macht mich glücklich, wenn alles plötzlich ausgetauscht wird durch etwas so… Fremdes?
Wer bin ich vor einer weißen Wand? 
Was ist Glück überhaupt? Und wer verdient es, glücklich zu sein? 
Die Suche nach dem Glück hat mich allerdings alles andere als glücklich gemacht. 
Also habe ich aufgehört, zu suchen, und habe begonnen, zu vertrauen. In den Lauf des Lebens, auf dass mein Schutzengel auf mich aufpasst und auf dass mein Schicksal es wohl gut mit mir meint. Klingt so naiv - ist aber wirksam.

Verschwende keine Energie, dich über Zustände aufzuregen, die du sowieso nicht beeinflussen kannst. 
Wenn es geschehen ist, lass es gehen. 
Wenn es noch geschieht, lass es auf dich zukommen. 
Und wenn du es ändern kannst, dann sitz nicht rum und jammer', sondern änder' es!

Ich stell' mir gern eine Flamme vor, die in jedem von uns brennt. 

Diese Flamme steht für alles, was wir sind und wofür wir stehen. 
Manche lassen sie lodern, um sich warm zu halten - andere ersticken sie, um nicht Gefahr zu laufen, sich zu verbrennen. 
Wenn ich jetzt zurückblicke auf mein Leben vor Australien, dann denke ich nur, wie ich meine Flamme verschwendet habe. Was ich schon alles hätte erreichen können, hätte ich mich bloß getraut. Hätte ich doch nur, ja hätte ich.
Aber jetzt habe ich. Und jetzt mache ich. Und meine Flamme, die lodert nicht so 'n bisschen. Die setzt ganze Städte in Brand. 
Und wenn ich einen Traum habe, dann bin ich bereit, für diesen Traum zu brennen. 
Diese Flamme kann kein Wasser ersticken. Wenn ich eins bin, dann bin ich zäh. 
Ich sage damit nicht, dass ich alles kann und alles können werde.
Ich bin nicht perfekt. Aber ich will auch nicht perfekt sein. Das perfekte Leben für den perfekten Menschen kann sich mal. 
Ich möchte unperfekt sein. Nicht, weil ich denke, dass ich nicht mehr wert bin.
Unperfekt ist interessant. Unperfekt ist unerwartet und aufregend. Ohne Ecken, Kanten und Kurven läuft man doch immer nur in eine Richtung. 
Ich weiß, dass einen viele Menschen immer liebend gerne verändern würden. Aber ich bin so, wie ich gerne sein möchte. Und wenn das heißt, dass ich mir dreimal im Monat die Haare umfärbe, dann ist das eben so. Und wenn das jemandem nicht gefällt, und er meint, mich deshalb nicht akzeptieren zu können, dann ist das eben auch so. 
Früher hab' ich mir so unglaublich viele Sorgen gemacht, um alles und jeden. Aber ich glaub, ich hab' mir unbewusst 'ne nette Kopie vom australischen 'Easy going' Lifestyle gezogen. 


Aber müssen sich unsere Wege jetzt etwa auch trennen?
Werde ich jetzt einfach von der Bildfläche verschwinden und in Vergessenheit geraten? Bin ich der kleine Gedanke, der hochkommt, wenn ihr gelangweilt durch Facebook scrollt und euch fragt, was eigentlich aus diesem einen Mädchen mit dem Blog geworden ist?…
Ich finde die Vorstellung, ein Gedanke zu sein, in der Grundidee durchaus verlockend, aber herrgott im Himmel doch bitte kein sterbender Gedanke.
Dieser Blog hat zwar seinen Zweck erfüllt, aber Schreiben hat sich dieses Jahr von einer kleinen Idee zur starken Leidenschaft entwickelt, und deshalb wird das hier definitiv NICHT das letzte Mal sein, dass ihr von mir hören werdet, ob ihr wollt oder nicht mwuhahaha *evil laugh*.
Ich hab lange überlegt, ob ich diesen Blog in den Ruhestand schicken möchte und einen neuen zum Leben erwecke. Aber ihr kennt das doch bestimmt mit den ersten Sachen. Das erste Wort. Der erste Zahn. Das erste Fahrrad. Der erste Schultag. Das erste Haustier. Die erste Liebe… der erste Blog.
Wir sind zusammen gewachsen, und auch wenn ich mich schon 16 Jahre lang mit meinen Beinen fortbewege, habe ich dieses Jahr erst richtig laufen gelernt. Mit euch.

Dieser Blog wird sich bald einer Komplettveränderung unterziehen müssen, und wird hoffentlich in derselben Pracht aufblühen wie letztes Jahr.
Bis dahin wünsche ich euch einen hoffentlich warmen Sommeranfang. Und wenn die Sonne schon nicht am Himmel scheint, dann tut mir einen Gefallen und lasst sie wenigstens in euren Augen scheinen.
<3


Ps. Es folgt noch ein Post über alles, was dieses Jahr passiert ist mitsamt unzähligen von Bildern und insklusive meiner Nahtod-Erfahrung auf Rottnest Island und einer detaillierten Schilderung meiner zaghaften Annäherungen der deutschen Kultur hehe ;) 

Und ein fettes DANKE an alle, die seit fünf Monaten von mir enttäuscht wurden - ich sehe eure Kommentare und lese die Emails, es tut mir so Leid. Ab jetzt geht's wieder bergauf! 







Montag, 5. Januar 2015

Die Kunst des Plätscherns

Oh mein Gott. 

Ich setz' mich jetzt in meinen Kleiderschrank in die Ecke, schließe die Türen, bedecke mich mit den sowieso schon auf einem Haufen liegenden Klamotten und schäme mich. 

Zwei Monate. 
Oh mein Gott. 
Ich bin ja sowieso nicht so gut mit Regeln und Terminen einhalten, das ist ja schon allerseits bekannt. Ich halte mein Zimmer grundsätzlich in einem mittelschweren Chaos, um ausdrucksvoll gegen die allgemeinen gesellschaftlichen Moralen zu rebellieren. 
Ich komme ja auch generell immer zu spät. Alles wird in der allerletzten Minute erledigt. Ich glaube, selbst wenn jegliche Menschheit ausgestorben wäre und ich das einzige Wesen wäre, dass das Universum noch retten könnte, ich würd' erstmal ne Runde chillen nach dem Motto die richtige Welle der Motivation hat mich noch nicht getroffen
Ich wär' ne schreckliche Heldin. 
Time management und ich, yeah nah. 
In meiner bitteren Abwesenheit haben aber doch so einige Eskapaden stattgefunden. 
Ich hab den Toaster in Brand gesetzt, Schule beendet, mein Handy ermordet, 'n anderes Land besucht, bin jetzt 16, brünette, war halb taub, hab an Weihnachten im indischen Ozean geschwommen, einen Tag später meine dritte diesjährige Mittelohrentzündung bekommen, und wie immer viel nachgedacht. 
Außerdem hatten meine Kniekehlen Sonnenbrand und ich hab' jetzt 21,5 Fliegen als Haustiere (die 0,5 sitzt seit 7 Stunden regungslos an der Wand).
UND ich habe aus irgendeinem erdenklichen Grund auch noch Eyeliner am Unterbein. 
Sollte ich jemals ein Buch schreiben, hätte ich schon um die eintausend guten Titel parat. 
"Eyeliner am Unterbein", der neue fesselnde Drei-Band-Thriller. 
Ach, meine Lieben, mir geht's herrlich, ich wünschte, ich könnte Kuchenstücke dieser Herrlichkeit durch's Internet an euch verschenken. 
Wo fangen wir denn mal an, ich blättere durch mein imaginäres Verzeichnis der guten Geschichten die ich alle später meinen Großenkeln am virtuellen Lagerfeuer erzählen werde. 
Die ersten drei Wochen des Novembers plätscherten wieder so dahin, wie jede andere Schulwoche, nur dass es die letzten drei australischen Schulwochen meines Lebens gewesen sind. 
ich hab ne Flagge zum Unterschreiben rumgegeben

Ich muss an dieser Stelle einfügen, dass ich mittlerweile emotional fünf Schritte vorangeschritten bin und mit diesem Thema abgeschlossen habe. 
Daher kommt jetzt kein 'ich-will-nicht-weg-und-will-am-liebsten-noch-fünf-jahrzehnte-hierbleiben"-Paragraph denn das stimmt nicht. 
Ja klar saß ich hier kurz vor'm Heulen am Freitagabend, dem letzten Schultag, als mich die realisation gehittet hat dass dieses Kapitel nun endgültig vorbei ist. Aber hey, tough. Alles hat ein Ende. (wer jetzt innerlich "nur die Wurst hat zwei" gesummt hat, don't. Just stop it. No.)
Jetzt stecke ich mitten in meinen australischen "Sommerferien", jedoch mit dem Plot twist dass ich den Rücktritt in die Schule nicht mehr hier erleben werd'. 
Und das ist okay. Das Leben geht weiter. Und ich hab hier meinen Korb voller Erfahrungen gesammelt, und nun gehe ich zurück und packe den Korb aus, um ihn wieder neu zu füllen. Und das ist okay. Fortzufahren ist okay. Weggehen ist okay. Wiederkommen ist okay. 
Je mehr ich darüber nachgedacht hab, desto mehr Frieden hab ich gefunden für den Lauf des Lebens. 
Und Vertrauen, dass mich das Schicksal gut aufgehoben hat. Denn so viel bad luck ich auch haben mag, am Ende ist immer alles gut. 
Und deshalb vertraue ich Gott oder dem Universum oder den Aliens die uns steuern oder vielleicht vertraue ich auch einfach mir selbst. Denn am Ende ist immer alles gut. 

… 

- kennt ihr das, wenn ein Kind so viele Spielsachen hat, dass es so überfordert ist, dass es mit nichts was anfangen kann und letztendlich mit garkeinem der eigenen Sachen spielt? 
So geht's mir gerade. Ich hab so viele tolle Sachen erlebt, und ich würde am liebsten jedes kleinste Erlebnis mit einer heiteren Art beschreiben wie sonst auch, aber OMG ICH HABE GERADE AUSVERSEHEN MEINE 1LITER WASSERFLASCHE ÜBER MEINEN LAPTOP UMGEKIPPT KÖNNT IHR EUCH VORSTELLEN WAS FÜR EINEN HERZINFAKT ICH GERADE DURCHLEBT HABE! Nach dem schmerzhaften Tod meines Handys könnte ich noch einen Verlust nicht ertragen.. Gott segne Amerika alles funktioniert noch. Oh mein Gott. 
Wo waren wir? Ja, genau. Ich würde am liebsten die Erinnerungen aus meinem Kopf genauso lebhaft und real mit euch teilen, wie es nur geht, aber weil ich nunmal das beschäftigte Eichhörnchen bin das ich bin, hab ich diesen Blog wieder mal für zwei Monate erschöpft hinter mir hergezogen.
Ich kann diesen Schreibstil, den ich in meinen letzten Posts gepflegt habe, nicht faken und nicht auf Fingerschnips herbeizaubern. Das ist auch kein "Schreibstil", das ist die Art, wie ich durch's Leben gehe. Ich beschreibe euch die Welt hier durch meine Augen, bzw versuche mein Bestes. 
Und so kommt es dass ich hier jeden Abend meinen Blog geöffnet habe, vor dem weißen, leeren Schreibfeld sitze und nachdenke. Über die Vergangenheit und die Zukunft, und wer ich war, und wer ich jetzt bin, und wer ich vielleicht mal sein werde. Und so werden aus Gedanken kleine Federn, die im Wind davonschweben, und ich hänge zwischen allen Angeln und plätschere den Bach hinunter. 
Der Begriff Plätschern beschreibt meinen Lebensstil im Allgemeinen ziemlich trefflich, stelle ich mit wachsender Zustimmung fest. 
Fließen ist zu bestimmt; schwimmen ist zu kontrolliert. Strömen ist zu rasch, rinnen zu besonnen. Und manchmal versucht die Strömung des Lebens uns zu ertrinken, aber das Wichtigste ist meiner Meinung nach, dass du nie aufhörst, mitzufließen, egal wie viel Wasser du schon geschluckt hast, egal wie erschöpft deine Arme sind, egal an wie vielen Steinen du dir die Beine aufgeratscht hast. Kopf nach oben. Plätscher' weiter. 

Und jetzt plätschern wir zusammen mal durch die letzten zwei Monate. 

Ich kann nicht nur plätschern, sondern auch rennen - und zwar einen 5k Color Run Marathon!! Surprisingly not that exhausted, und schön bunt sind wir auch geworden, Victoria und ich. Und das war noch nicht alles; meine end of year ballet performance hat am 14. Dezember stattgefunden. Meine allererste Ballettaufführung oder Tanzperformance ever. Aber ich cooler Bach plätscher' da so durch. Aufgeregt? Come on! ;') Aber eine ganz andere Form von Abenteuer waren die Fake Eyelashes, die wir tragen sollten. Wie zwei längliche Steine lagen sie auf meinen Augenlidern. Mir ist es ja fragwürdig wie Leute damit überhaupt leben können. Und Lippenstift, omg! Wenn nicht gerade deine Haare daran festkleben, hast du's am Finger. An der Wange. An der Flasche. Am Handy. Am Schlüsselbund. Am Hund deiner Schwiegermutter. 

In der ersten Ferienwoche Ende November hab ich mich mit Freunden getroffen und so'n bisschen rumgetrödelt, oder, wie sagen wir so schön, rumgeplätschert. 
Eines Abends war ich am Strand für ein Fotoprojekt bei Sonnenuntergang mit Wunderkerzen. Klingt geil, hey? 
Jaaa. *hust* das fiel alles ein bisschen ins Wasser. Und das meine ich wörtlicher als ihr es euch vorstellen könnt. 
Die Sonne näherte sich dem Horizont, ich hatte mir schon meinen Spot ausgesucht nachdem ich eine Stunde lang an der Küste auf Felsen geklettert bin, hatte Kamera positioniert, Wunderkerzen, sogar ein Feuerzeug dabei, alles bereit. 
Meine Hände waren allerdings ein bisschen sandig. Das geht natürlich garnicht, sandige Hände am Strand. Von daher steck' ich so gedankenverloren mein Handy in den Rock, beuge mich gerade vor um die Hände ins Wasser zu tauchen und PLATSCH. 
Ich bin mir ziemlich sicher mein Herz hat ein paar Schläge ausgesetzt als ich realisiert habe, dass ich soeben wirklich mein Handy hab in den Ozean fallen lassen. 
Und dann ging ich ab. Wie eine Mutter nach ihrem Kind springe ich den Wellen hinterher, ununterbrochen lautstark fluchend, fast schon teuflisch lachend wie vom Teufel besessen, denn ganz ernsthaft Leute, wie hätte es auch anders passieren können.
Natürlich ertrinke ich mein Handy im Meer. 
das Foto entstand am Todestag meines Handys

Nach allem, was passiert ist. Nach allen Malen die ich mich irgendwo verlaufen habe, nach all den verpassten Bussen und portugiesischen Galeeren, nach all den fiesen Zahnärzten und dem Vogel..ausgeschiedenen… (mal im Ernst, was ist ein höflicheres Wort für Vogelscheiße?!), nach alledem war das wirklich die Kirsche oben drauf. 
Und da stand ich nun, ratlos, und schweigend auf die Wellen starrend, und der letzte Funke der Hoffnung holte gerade Luft für seinen letzten Atemzug, vor meinem inneren Auge sah ich schon mein geliebtes Handy auf den Grund sinken,… UND DA KAM ES ANGESCHWEMMT, MEIN HANDY! 
Und dreimal dürft ihr raten, mein letzter Chat war sogar noch offen. So schnell wie möglich hab ich's ausgemacht und abgetrocknet, und abgesehen von ein paar Macken funktionierte es noch. Ich also erstmal artgerecht meiner Generation jedem erdenklichen Kontakt getextet, 'omg lol mein handy war grad im Meer'. 
Total happy continue' ich also meine Photosession - wurde übrigens nochmal von der fiesen portugiesischen Galeere gestochen, diese Alte kriegt mich auch immer wieder - ist auch noch 'n ordentliches Foto bei rausgekommen (siehe da oben das mit dem Mond am Himmel).
Doch das schlimmste kommt ja noch. Haha. Ja. Ich komm' nicht so einfach davon. 
Zuhause dann die Grausamität: ich kann mein Handy nicht mehr laden. Das Wasser hat den Akku zerstört, und das war die Geschichte wie mein Handy gestorben ist. 
Zum Glück hab ich das herausgefunden, als ich noch 40 % übrig hatte um genügend Leuten Bescheid zu sagen, bevor es von uns gegangen ist und ich mich leise winselnd zusammengeknäuelt in den Schlaf gewogen habe. Vor ein paar Jahren ist mir der Urgroßvater meines Handys runtergefallen und da hab ich erst bei 3% bemerkt, dass ich's nicht mehr laden kann. Das war dann auch 'n bisschen ungünstig, und vorallem ist das ja immer so emotional, gott ich mein sind ja nur Handys aber die gehen auch durch dick und dünn mit uns. 
Also, super, kein Handy in Australien, und n neues kaufen wollt ich auch nicht mehr. Bis also das alte Ersatzhandy aus Deutschland zur Rettung in unserem Postkasten eintrifft, musste ich mein Leben ohne Handy organisieren. Und ein ganzer Monat ohne Handy war wirklich.. nicht so schwer wie vermutet. Lief dann nur darauf hinaus, dass ich casually mit 'nem fetten Wecker durch die Weltgeschichte gelaufen bin, as you do, und mit der Zeit konnte ich auch an der Sonne oder der Kirchenglocke in der Stadt die Zeit ablesen. Survivaltechniken 2.0! 

Aber erstmal ging's dann nach Fiji mit meiner Orga und Victoria. Jap. Und das für ne ganze Woche. Darüber erzähl ich jetzt nicht so viel und lass die Bilder für sich sprechen, denn jaa ÜBERRASCHUUUUNG es gibt ein Video!!! Ich hab das Video viermal neu exportieren und hochladen müssen weil ich jedes Mal GEMA geschützte Musik benutzt habe, oops. 
https://www.youtube.com/watch?v=QBd5gWpFlV0
die liebe Jeanne und ich <3 

the squad - der Wurm, die Robbe, der Fisch und das Nilpferd <3 

Ja da hab ich auch geschlafen - ein Traum! 

Nach der Fijitour war ich ein bisschen verrückt und hab mir MEINE HAARE GEFÄRBT. 'Ne australische Freundin hat mich verführt. Jetzt bin ich brünette. Permanent. Und ich muss sagen, ich liebe es. Ich hätte nie gedacht, dass ich mir jemals die Haare färbe. Aber naja, ich hab auch mal gemeint, ich würde nie 'n High School Jahr machen. 
Wir werden am Ende doch auf irgendeinem Weg immer die Person, die wir am letzten erwartet hätten. 
hätten wir die selfies alle mit einer Klappe
geschlagen #dathairtho #ITSBROWN 

(off topic aber meine kleine Gastschwester badet gerade und trällert Let It Go durchs ganze Haus hehe :3) 
Weihnachten in Australien war nicht besser, aber auch nicht schlechter. Es war einfach nur anders. Während in Deutschland der 24. Dezember heilig angepriesen drei Jahre vorher golden im Kalender umrahmt wird, fällt hier n Koala vom Baum. 
Die Australier haben's ja drauf mit'm surfen und auf'm Jeep Krokodile jagen und chillen mit ihrem Bier neben dem Buschfeuer, aber diese Nation kann wirklich nicht Weihnachten. 
Bunte kitschige LED Lichter, schneeweiße Plastiksterne an den Palmen, und in jedem Shoppingcenter diese verkleideten Weihnachtsmänner in fett Pulli und Wegwerfbart bei 30 Grad im Schatten. Unser Weihnachtsbaum war von Ikea, aus Plastik und war halb so groß wie ich. 
25. Dezember. Man beachte die Weihnachtsmütze

Ich fand's aber nicht schlimm oder so, da es für mich eben kein Weihnachten war sondern… Karibikurlaub mit roter Pudelmütze? 
Am 25. Dezember gab's dann morgens Geschenke, und ja, ich hab auch was von meiner Gastfamilie bekommen und nein, ich werd nicht in aller Ausführlichkeit beschreiben, welchen Eyeshadow ich von welcher Marke von wem bekommen hab. Ich oute mich hier ganz offiziell als Weihnachtsgeschenkhaulhasser. Für alle, die nicht wissen, was ein Haul ist (hallo Mama ;)) - in einem Haul stellt man dem Internet neu erworbene oder bekommene Sachen vor. Sei es Makeup, Klamotten oder eben, Weihnachtsgeschenke. 
Ich finde, Weihnachten ist vorallem ein Fest der Liebe, und ja ich komm' jetzt mit so einem Kram den ihr von eurer Großmutter sonst immer zu hören bekommt, denn ihr solltet manchmal wirklich auf eure Großmutter hören, denn die is schon 'n bisschen länger auf dieser Erde als ihr. 
Geschenke sind zwar schön, und andere können gerne der ganzen Welt erzählen was sie alles tolles bekommen haben, aber für mich wird das nie der Fokus des Festes sein. 
However. Wir waren dann zum Lunch bei 'ner iranischen Party da meine Gastmum ja aus dem Iran kommt, und sind dann zum Sonnenuntergang noch schnell für einen kurzen swim zum Strand runter. - womit das Drama meines Ohres seinen weiteren Lauf nahm. 
Denn seit Fiji, also seit Anfang Dezember, konnte ich auf einem Ohr nichts hören. 
jetzt dürft ihr alle mal meine ultra attraktive Tanline
bewundern - das passiert wenn man jeden Tag
nen Schulrock trägt. -.-

Ich bin nach drei Wochen halbtaubheit mit Tinitus, was mir wirklich am Ende jeden Nerv geraubt hat, zum Arzt, der mir das Ohr ausgespült hat, alles wieder gut. Dann ging's wieder los. Mit dem anderen Ohr. Wieder zum Arzt, diesmal Ohrinfection, Ohrtropfen bekommen. So. Ja gut schön. Hat man eben. Aber es wurde nicht besser. Wenn du fünf Wochen lang halbtaub bist, das reizt dich echt bis in die Fußspitzen. Du kannst Geräusche nicht mehr orten, musst total oft nachfragen, hörst nicht, wenn du aufgeweckt wirst, und bei jedem halbwegs lauten Geräusch knistert es als wäre hier das Gewitter des Jahrtausends.
Daraufhin bin ich heute NOCHMAL zum Arzt, weiß gott die wievielten Ohrentropfen das jetzt sind. 
Am 26. war ich Boxing Day shopping. Das ist hier voll das große Ding. Riesige Sales up to 70 % off. 10 Meter lange Schlangen vor erfolgreichen Schmuck- und Sportläden. 
Ich muss sagen, ich hab dieses Jahr echt gelernt, zielgerecht zu shoppen. 
Betonung auf GELERNT. Genauer gesagt, ich hab ne Weile gebraucht, meinen Style zu finden. Vielleicht schreibe ich darüber nochmal genaueres. Aber nun will ich den Post zuende schreiben, weil meine Mami den gerne noch in ihrer Mittagspause lesen möchte. ;)
Apropos Mama, ich habe an Weihnachten zum ERSTEN MAL seit 12 Monaten mit meinen Eltern geskypt. Ja, ich hab wirklich das ganze Jahr lang nicht ein Mal mit meinen Eltern gesprochen so in real. Nur Whatsapp. Für 12 Monate. Und gott, war das schön sie wiederzusehen. Ich freu mich schon wirklich sehr auf zuhause. 
Aufs deutsche Zuhause. 

However, den letzten Tag vom Jahr 2014 habe ich an jeglichen Stränden verbracht, Fotos machend mit Victoria. Wir sind einmal die Strandpromenade von Scarborough nach Hillarys hochgelaufen das sind so 17 km. Dann waren wir Pizza essen, haben den Sonnenuntergang am Hafen angeschaut und dabei leidenschaftlich den Fischern eine kleine Privat Performance gegeben (sowohl tanzend als auch singend durften sie unsere Talente bestaunen). 
31.12.2014 



Dann sind wir zu Victoria und sind zu irgendeinem Film eingedöst, bis Vicky mich anstupst mit den Worten 'ey Anna, in 10 Minuten ist Mitternacht'. 
Und das wars. 
2014. 
Vorbei. 
Einfach so. In einer Sekunde. 
Klick. Neues Jahr. Neue Hoffnungen. Neue Vorsätze. Jetzt wird alles anders. Dieses Jahr wird mein Jahr. Dieses Jahr schaff' ich das. Dieses Jahr dies. Dieses Jahr das. 
Ich kann mich noch genau an meinen ersten Gedanken erinnern, als die Uhr Mitternacht schlug am 01.01.2014. 
"Das ist das Jahr, in dem ich nach Australien flieg'. Das ist mein Jahr.
Und nun ist mein Jahr Vergangenheit. Leben rinnst durch unsere Hände wie Sand. Und alles, was mir übrig bleibt, sind 200 GB Foto- und Videomaterial auf meiner Festplatte. Flyer von Events. Kleine notes und Belege und Postkarten. 
Um verzweifelt das unmögliche versuchen, zu verhindern. Aber die Uhren werden weiter ticken. 
Und wir wachsen aus unseren alten Klamotten raus. 
Die Sohle unserer frisch gekauften Schuhe wird wieder zerblättern, wie die der Schuhe davor, und der davor. 
Unsere Haare kriegen wieder Spliss. 
Freundschaften zerbrechen. Und neue entfalten sich. 
Menschen verändern sich. 
Silvester mal anders
Und wir schlagen ein Blatt nach dem anderen um im Kalender. 
Verloren in Gedanken und im Fluss des Lebens. 
Und so plätschern wir dahin. 
(Meine Überleitungen immer, woah da wird mir ganz heiß) 
(vielleicht ist mir aber auch nur heiß aufgrund der 35 Grad in meinem Zimmer)
Ich hab ein Jahr lang von 2014 geträumt. So viele Hoffnungen in dieses Jahr gesteckt. 
Und ich wurde nicht enttäuscht, nein nein. Ich hatte ein schönes Jahr. 
Ich hab in Australien zwar nicht viele Freundschaften geschlossen, aber sehr besondere Freundschaften.
Ich hab interessante Menschen getroffen, die mich formen und bewegen. 
Und wertvolle Erfahrungen gesammelt, gute sowohl als auch schlechte, und besonders die schlechten haben sich ausgezahlt. 
Im Großen und Ganzen, 2014 war one hell of a roller coaster und ich kann mit Stolz sagen, dass ich auf dieses Jahr als stärkere Person zurückblicken kann und dankbar bin für die Fehler, die ich gemacht habe. Denn jeder macht Fehler, und ja, es gibt manchmal scheiß Zeiten, und manchmal ist "manchmal" eher wie "endlos", aber hey, man muss eben durch den Regen laufen um Trockenheit wertzuschätzen. 
Aber was ich jetzt nicht geben würde für ein bisschen Regen. Denn Trockenheit hatten wir vorallem heute genug. 45 Grad, und es wird noch heißer. 
Ich wollte heute am liebsten unbekleidet vor der Klimaanlage kleben und Melone fressen. 
Aber natürlich musste ich ja meinen braungebrannten Fuß vor die Tür setzen um ein 10 Kilo Paket mit lauter schweren Dingen schonmal nach Deutschland vorzusenden, um es meinem armen Koffer ein wenig zu erleichtern. Denn ja, es geht schon aufs Ende zu. Am 27. Januar geht's für mich schon wieder zurück. 
Unglaublich, wie schnell dieses Jahr herum ging. Ich hoffe, ihr habt es genau so genossen wie ich. 
Wenn wir schon dabei sind, ich hab in letzter Zeit total viele Nachrichten bekommen auf sozialen Medien betreffend meines Blogs und wollte mich einfach mal bedanken für das tolle Feedback und einfach für's Lesen. 
Es bedeutet mir wirklich so viel wenn ich lese was ihr von meinem Blog denkt oder wie er euch vielleicht bewegt. <3 
So, jetzt aber genug, ich muss jetzt die kühlende Luft meines Ventilators genießen, euch noch einen wunderschönen Tag oder Nacht. 

Samstag, 18. Oktober 2014

Der Sturm der Ereignisse - ein Roman by me

Meine Blogeinträge zu betiteln ist jedes Mal eine Herausforderung, aber diesmal eine wahre Qual der Auswahl. 
"Versicherungsschnitzeljagd", "Barfuß durch's Fegefeuer", "Poetisch auf dem Zahnarztstuhl", "Schlaflos in den Frühling", hach und das waren nur einige der Titel, die die letzten Wochen beschreiben können. Dieser Monat war mal wieder einer dieser Monate, in denen jeden Tag irgendwas falsch läuft aber genau das macht alles so geil. 
Fangen wir also an. 

Die letzten Wochen Schule sind so dahingeplätschert, am Wochenende war ich oft in der City, im Shoppingcenter oder hier und da am Strand. Eine Freundin aus der Schule hat mich zu ihrer Ballet Performance nach Subiaco eingeladen. Wie zur Hölle komm ich nach Subiaco, ich hatte keine Ahnung, aber bin einfach einem meiner Lieblings-Mottos gefolgt; wird schon irgendwie klappen. ;) Vor meiner abenteuerlichen Reise bin ich allerdings voller Enthusiasmus zu einem richtig schön angelegten Stadtpark gelaufen, um dort mein Chicken Schnitzel Avocado Käse Sandwich zu genießen. Hab mir nen schönen Schattenplatz gesucht neben einem Blumenbeet, setz' mich gerade ins Gras - und dann passiert es. 
Das Undenkbare des Undenkbaren. 
Der Albtraum eines jeden.
Ein entsetzlicher Vorfall.
Das Grausamste der grauenhaften Dinge überhaupt. 
Eine bodenlose Ungehörigheit. 
Namens Vogelscheisse. 
Auf meinem Kopf. 
Fürchterlich, ich sag's euch. 
Mitten in der Stadt, und natürlich hatte ich keine Taschentücher dabei. 
Natürlich. 
Ratlos hab ich dann versucht, mir mit dem Sandwichverpackungspapier zu behelfen, bis ich was besseres in die Hände bekam. Hach ja, sowas passiert auch nur mir. Manchmal hab ich so das Gefühl, das Schicksal lässt diese Dinge absichtlich mir passieren, um mich zum Lachen zu bringen. 
(Nach Subiaco bin ich noch problemlos gekommen und auch meine Frisur konnte ich glücklicherweise retten). 
Das Prachtwerk meiner Nachtschicht


Ich hab ja letztes Mal von der Playgroup in Childcare erzählt, dieser in-school Kindergarten für die Schüler, jedenfalls mussten wir ja ein Buch mit Berichten und Fotos über diese sieben Wochen gestalten. 
Ich glaub, ich muss garnicht mehr erläutern, wie es dazu kam, dass ich am allerletzten Tag vor Abgabe des Buches die gesamte Nacht komplett durchgemacht habe und mein Zimmer in ein kreatives Schlachtfeld verwandelt hab. Du könntest meinen, hier hätten sich Picasso und Da Vinci den Flüssigkleber um die Ohren gehauen - aber ohne Witz, ich übertreib nicht, ich hab verdammte 12 Stunden an diesem Buch gesessen und dabei zu Eminem gerappt bis die Sonne mein Zimmer wieder in warmes Morgenlicht getaucht hat. Herrlich. 
Aber ich kann so am besten arbeiten, alles in letzter Sekunde, da lauf' ich auf Hochtouren, unter Druck funktionier' ich auf Fingerschnips. Und siehe da, das Buch ist pünktlich fertig geworden und ich bin mit einer halben Stunde Schlaf auf in den letzten Schultag vom dritten Term. Und dreimal dürft ihr raten; da der Großteil der Leute in Childcare ihr Buch noch nicht mal halbwegs fertig hatten, haben wir einfach mal locker flockig die GESAMTEN FERIEN VERLÄNGERUNG BEKOMMEN.  Ich saß da, sprachlos, halb am Schlafen, halb am Lachen, und dacht' mir nur so, ist das jetzt euer vollkommener Ernst, Leute. Universum. Ist mein Leben irgendwie 'ne außerirdische Komedieshow oder so? 

Die Year 12's haben nun offiziell graduated. Allerdings gibt's hier keine Mottowoche oder Abistreich sondern einfach nur den letzten Tag, Mock up Day, an dem sich alle Year 12's verkleiden und ne Modenshow machen vor der Schule. Ich muss sagen, obwohl die Atmosphäre nicht wirklich inspirierend war, die Kostüme waren allererste Sahne. Dabei war die Freiheitsstatue, die Minions, Katy Perry, etliche Charaktere aus Horrorfilmen oder generell Filmen, richtig geil gemacht, ein Typ ging als Bier, ich konnt' nich' mehr. 

Naja, das war das, und so fingen die zweiwöchigen Frühlingsferien an. Brace yourselves, ich hab so viel Scheiße erlebt ey :D (entschuldigt meine Ausdrucksweise, wie immer ;)). 
Und ich kann mich sogar noch daran erinnern, was ich gemacht hab, stellt euch das mal vor! Das menschliche Gedächtnis, überrascht einen doch immer wieder. 
ich kann diese Bilder förmlich riechen

Also, erster Ferientag, Familienausflug mit meiner Hostmum, Hostsis und der Frau des Bruders meiner Hostmum zum Araluen Botanic Garden, um die Wildflower Pracht zu bestaunen. Und gestaunt haben wir allerdings; und das waren die dunklen Wolken, die uns mit Regenschauern gesegnet haben. Phänomenal. Australisches Wetter, wie ich es liebe. Impulsiv, leidenschaftlich und unberechenbar. Klingt ja wie ich. Aber zurück zum Thema. ;) Der Park war trotzdem schön, ich war noch nie in den Perth Hills, und das ist alles total schön angelegt, kleine Weg'chen und Pfade und Wasserfällchen und Blümchen und Klee, der sich wie eine Decke über den Wald gelegt hat.. 
Am Sonntag hab' ich eine meiner Lieblingsaktivitäten verfolgt; nämlich garnichts. Immer wieder schön. Dafür war ich Montag bei Scott, ein Kumpel aus English und Tourism, und er hat mich zu Doctor Who introduced (die Grenzen zwischen English und Deutsch verschwimmen immer mehr…). 
ja, das sind leuchtende Pferde mit Neonmantel
Den Dienstag hab' ich mit Victoria auf der Perth Royal Show verbracht. Die Perth Royal Show ist wie 'ne gigantische Kirmes mit integrierter internationaler Farm, Pferdespringturniere, Schweinerennen, Action-Motorbike-Show, erheblich vielen Showbag-Ständen und Buden, Hundeshows und einem 20 Minuten langen Abschlussfeuerwerk. Jede australische Metropole hat glaube ich jährlich so eine 7 Tage lange Royal Show. Ich bin schon um 7.30am aus dem Haus, zum Zug, Victoria ist zugestiegen, wir haben uns kurz in der Innenstadt was zu Trinken gekauft, angekommen an den Showgrounds mit dem Zug gegen 9am. Die Mengen verteilten sich schnell da das Gelände wirklich gigantisch gewesen ist. Aber schmunzeln musste ich doch, als wir im "Streichelzoo" angekommen sind und 'ne ansehnliche Anzahl von Leuten jeder Altersgruppe eine einzelne stinknormale Kuh umzingelt hat und ihre Kinder mit ihren super feschen Smartphones vor dieser heu kauenden Kuh verewigt haben. Oh mein Gott, eine Kuh. Welch ein unfassbares Wesen. Ich wollte einfach schon immer mal einer echten Kuh gegenüber stehen. Nun ist mein Leben komplett. - aber naja, genauso schmunzeln wahrscheinlich die Australier über all die Touristen und den Kängurus. Und da spiel' ich ja in der ganz hohen Liga mit. ;) *hust* 
Der Tag nahm seinen Lauf, und je höher die Temperatur in die Höhe kletterte, desto mehr bereute ich die Wahl einer langen Jeans anstelle von Shorts. Getränke waren haarsträubend teuer, eine 400ml Wasserflasche nicht unter $4. Gegen Nachmittag wurde es so brechend voll, dass man in manchen Wegen in Schneckentempo hin- und her geschubst wurde und dauernd von irgendwelchen Leuten betoucht wurde. Ich hab dann doch noch meinen inneren Frieden gefunden, als wir nach 8 Stunden endlich den Henna-Tattoo Stand gefunden haben. <3 <3 Und das Feuerwerk war auch legen- wait for it. Dary (How I Met Your Mother hat dieses Wort für mich unaussprechlich gemacht. Vielen Dank auch.) 
eine Tekla auf unserer Terrasse
Mittwoch hatte ich dann wieder einen Ruhetag, wobei ich mein Zimmer ein bisschen aufgeräumt habe *Applaus*. Das ist wirklich einen Applaus wert. Es waren Staubflusen unter meinem Bett, so groß wie ne Monsterspinne. Und die echte Monsterspinne ist bestimmt auch hier irgendwo. Bin ganz froh, dass mich bis jetzt bewusst noch keine in meinem Zimmer besucht hat. 
Omg, da muss ich euch erzählen, als ich letztens den Garten gewatered hab, die Dämmerung war schon im Endstadium, da blick' ich auf zum Zaun und plötzlich kriecht da ein fettes, schwarzes Etwas entlang. Es brauchte einige Sekunden, bis ich schließlich erkannte, dass es sich bei dem fetten, schwarzen Etwas um eine übermäßig handflächengroße, haarige, australische Spinne handelte. Mein erster Gedanke, du lieber Himmel, die gibt's ja wirklich. Zweiter Gedanke, das wird mir doch niemand glauben. Sofort bin ich reingehastet und hab nach meiner Kamera gegriffen. Ich war nicht länger als eine Minute abwesend, und doch hat diese dreiste Spinne es geschafft, außer Reichweite zu gelangen. Weit und breit nichts zu sehen. Sogar auf den Tatortfotos, die ich später genauestens am Laptop milimeterweise abgesucht habe, nichts. 
sich auflösende Mondfinsternis, live aus unserem
Hintergarten
Die einzige Theorie, mit der dieser Vorfall zu erklären ist: die Spinne war außerirdisch und hat ihren temporären Besuch der Erde genutzt, Eier zu legen, hat sich unsichtbar gemacht und wartet jetzt in ihrem Ufo gemütlich, bis ihre kleinen Spinnenteufelchen schlüpfen und die Menschheit vernichten… - Ich guck' eindeutig zu viel Doctor Who. 
Am Donnerstag hat meine Gastfamilie mich mit in den Zirkus genommen. Das war überraschend gut, mit Akrobaten und Pferden und so. 
Und dann kam Freitag. Es war zur Abwechslung mal richtig schönes Wetter, so 23 Grad und blauer Himmel mäßig, und ich dachte mir, lass' doch heute zum Strand laufen. Das hätte mit den Fahrrad 15 Minuten gedauert, aber nein, ich will ja 50 Minuten lang laufen. Und weil so schönes Wetter ist, zieh' ich mal auch gar keine Schuhe an. Denn die braucht man ja nicht, wenn die Sonne scheint. Is' ja logisch. 
Es war fabelhaft, wirklich, das Wasser war so klar wie noch nie in Perth und hat in türkis blauen Tönen geschimmert, und ich wurde allmählich skeptisch. Noch nichts passiert.
Alles lief nach Plan. Das ist so gar nicht mein Leben. Irgendwo muss mir doch jetzt das Schicksal einen Strich durch die Rechnung machen. Und wie herbeigeschworen, der Rückweg war wie ein Gang durch die Hölle. - Okay, ich übertreib' n bisschen, aber lauft ihr mal eine Stunde lang unter der prallen Sonne barfuß mit drei Wunden unter'm Fuß und Zahnschmerzen auf unerträglich brennendem und mit spitzen Steinchen belegtem Asphalt eine Stunde lang bergauf. Yep. Dementsprechend Tod war ich dann auch als ich endlich angekommen bin. Und 'n leichter Sonnenbrand hat mir eine schöne Tan-line entlang meines Shirts gemalt, die mich bis heute dieses Erlebnis nicht vergessen lässt. 
Und was es mit den Zahnschmerzen auf sich hatte, sollte ich am nächsten Tag auch erfahren. Die wurden nämlich so stark, dass ich die Nacht über trotz Schmerzmittel kaum richtig schlafen konnte. Der Zahnarzt hat mir dann die traumhafte Nachricht überbracht, dass ich eine Zahnwurzelentzündung habe als Nachwirkung von etwas, was in Deutschland gemacht wurde und nun drei großen (und teuren) Behandlungen entgegensehe, die erste (und schlimmste) wurde gleich in derselben Stunde gemacht. Also falls ihr mal jemals in so eine Situation kommen solltet in Australien, ich warne euch, die Betäubungen haben bei mir zumindest richtig schnell nachgelassen, teils sofort nachdem alles fertig war, und so kam es, dass ich, sobald ich den Zahnarzt verlaß, quasi vor Schmerz in Tränen ausgebrochen bin und mich vor Schwindel irgendwo mitten in der Stadt hingekuschelt hab und auf meine Gastmutter gewartet hab'. Normalerweise würde ich ja solche Situationen humorvoll leicht aufs Herz nehmen, aber in dem Moment ging's mir wirklich nicht gut, alles war zu viel, ich wollte nur ins Bett und schlafen und bah. 
Am nächsten Morgen ging es mir emotional sowohl körperlich wesentlich besser, jedoch sah ich auf der linken Gesichtshälfte wie ein kleiner Hamster aus. Oder als hätte ich grad ne Schlägerei verloren. Either way, belustigend. Aber nichts desto trotz bin ich mit Victoria spontan ins Aquarium gegangen und danach mit Frozen Yogurt traditionell zur Brandung und haben 'n kleinen Fotoshoot veranstaltet. Aufgrund meiner Hamsterbacken allerdings nur Fernaufnahmen von meiner Wenigkeit. 
Die zweite Ferienwoche startete am Montag gleich mit einer bösen Überraschung. Mein linkes Auge war richtig angeschwollen, meine linke Gesichtshälfte rosa/violett/rot farben, und ich bin nochmal auf um Zahnarzt. Und ich hätte es kommen sehen sollen. Die gesamte erste Behandlung wurde wiederholt, nochmal desinfiziert etc., Danach bin ich verheult durch die Stadt geirrt bis ich meinen Gastvater und Gastschwester an der Train station getroffen habe. Aber schließlich ist jetzt alles besser, zwar nicht gut, aber besser, und das zählt doch. 
Mit dem Zahnarzt kamen dann aber auch wieder neue Kosten auf uns, also habe ich mich am Mittwoch auf die Suche gemacht. 
Was habe ich gesucht? 
Das Büro meiner Versicherung. 
Hatte ich eine Adresse? 
Nein. 
Natürlich nicht. 
Aus allem wird ein Abenteuer gemacht. Ich bin also los, mit wager Wegbeschreibung meiner Gastmum in ein Gewerbegebiet, bin da zweimal drumherum gelatscht und hab dann angefangen, einfach irgendwelche Leute auszufragen wie so'n Journalist. Aber keiner hatte weder von Allianz gehört, noch wusste jemand wo deren Büro ist. 
Mittlerweile war eine Stunde vergangen. Da dacht' ich mir, geht doch wohl an hier, ich ruf' die jetzt persönlich an und führte ein sehr verwirrendes Gespräch mit einem jungen Allianzherren, dessen Vokabular viel zu professionell für meine bilinguale Seele gewesen ist, und es ist auch nicht so praktisch, neben dem windigen Freeway irgendwelche Nummern auf irgendwelchen ständig wegfliegenden Formularen zu suchen. Kompromiss: er mailt mir ne Liste mit Adressen der Büros zu. Nachdem ich meinen Nachnamen tausend mal neu buchstabieren musste (was mir hier ständig passiert), wartete ich nun vergeblich auf diese Email, die bis heute nie ankam. (Und wenn er nicht gestorben ist, dann buchstabiert er noch heute meinen Nachnamen falsch.) 
Back to the beginning. 
Ich watschel wieder rum und folg Wegbeschreibungen der Leute, bis ich auf einem Unigelände mit hübschem See lande und mich ein lokaler Professor zum University Info service leitet, die mir allerdings auch nur die Allianz Nummer geben konnten, die ich selbst schon hatte (an dieser Stelle waren zweieinhalb Stunden of pointless wandering herum und ich konnte mich nur amüsieren über meinen typischen Misserfolg). 
Nein, den Mann kenn ich nicht. 
Ich dachte mir, was kann jetzt schon noch schief gehen, und bin geradewegs zum Rathaus spaziert. Die dort arbeitende Frau war sichtlich ratlos, sodass ich ein zweites Mal bei Allianz angerufen habe, ich will doch nur meine doofen Zahnarztkosten zurück, und dieses Büro scheint ja angeblich in den geheimen Katakomben von Perth versteckt zu sein. 
Und jetzt dürft ihr dreimal raten, was mir die Frau freundlich am Telefon verkündet. 
I'm sorry but we don't actually have an office anywhere in Australia except Sydney. 
NATÜRLICH. 
Wär' ja auch zu langweilig gewesen, wenn es doch eins gegeben hätte. Aber diese Versicherungsjagd hat mir wenigstens 'n bisschen Bräune und bessere geographische Kenntnisse geschenkt. Immer das positive in allem sehen! ;) 
Donnerstag hatte ich meinen English Exam, dazu schreib ich ein ander Mal etwas, weil dieser Post jetzt schon Romanumfang erreicht. 
Freitag bin ich mit Victoria in die Stadt und hab mir spontan einen leere Pappkarton gekauft. 
Ich hab meine Lebensaufgabe
gefunden
Jetzt denkt ihr auch, ich hab alle meine Tassen verloren auf der Suche nach nicht existierenden Versicherungen.
Nene, das is' für mein Paket nach Deutschland ;) so verrückt bin ich nicht. Noch nicht. 
Aber ich habe die Erkenntnis gewonnen, dass man sich mit einem Pappkarton unter'm Arm so viel erfüllter fühlt, ganz unabhängig ob der leer ist oder nicht. Also falls ihr euch mal wertlos oder unwichtig fühlt, kauft euch einen Pappkarton und spaziert mit ihm durch die Stadt, you know, casually. Ich mach' gerade echt keine Witze, dieser Karton hat meinem Tag so viel mehr Bedeutung gegeben, und ich weiß gar nicht wirklich, warum überhaupt. 
Vielleicht ist der Trick im Leben, selbst wenn du dich ungebraucht fühlst und keine Aufgabe hast, tu so als hättest du eine. 
Und trag leere Pappkartons durch die Gegend.  

Sonntag haben Victoria und ich Fremantle einen Besuch abgestattet. Aber natürlich war die Train Linie gesperrt sodass wir die lange und enge Busfahrt auf uns nehmen mussten. Hach, Leben ist so müßig, nicht wahr? Ich hab das Gefühl, mehr als Essen haben wir in Fremantle gar nicht großartig gemacht.. ah doch, wir haben den heißesten Typen überhaupt gesehen, einen richtig talentierten Straßenpianisten in unserem Alter, der ständig zu uns rübergeguckt hat. Da schlägt mein junges Herz doch Purzelbäume. 




Heutige Erkundungstour - vor dem Sturm

Sooo, das war eine sehr detaillierte Beschreibung meiner Ferien. Für alle, die immer noch dabei sind, geil! Ihr seid die wahren Leser. Geht raus und kauft euch den Keks, den ihr verdient.
Seit einer Woche ist schon wieder Schule. Ich war heute (Samstag) auf Erkundungstour. Von Scarborough Beach nach Hillarys. 17 Kilometer oder so, am Strand entlang, das fabulöseste Wetter denn je. Ich bin auf Felsen bei einem Riff geklettert und hab' ein höhlenartiges Versteck entdeckt, eingekreist und geschützt von den Felsen gegen die die starken Wellen gebrochen wurden. Da saß ich 'ne Weile und hab' kleine Krabben beobachtet, die dort zuhause waren. Das Meer reflektierte heute die schönsten Blautöne, die ich jemals gesehen hab. Der Tag war perfekt, und nicht mal der plötzliche Tod meiner Kopfhörer konnte ihn mir verderben. 
ich war nasser als ich ausseh'

Hinter und vor mir bahnten sich dunkle Wolken heran, die schon fleißig auf die Erde regneten und meine böse Vorahnung wurde bestätigt in dem heftigen Gewittersturm, der mich schließlich auf der Hälfte des Weges überfiel.
Natürlich. 
Ich hab' die Wolken schon kommen sehen. Meine Kamera konnte ich noch in eine rein zufällig mitgenommene Plastiktüte retten, bevor ich innerhalb von zwei Minuten vollkommen durchnässt wurde. Ich konnte meine Klamotten auswringen, die Tropfen taten auf der Haut weh und ich konnte kaum weiter als drei Meter schauen, so stark hat es gestürmt. Aber ganz ehrlich Leute, ich hab' lange nicht so herzhaft lachen müssen wie in dem Regensturm da heute Nachmittag. 
Nach 15 min hab ich dann Unterschlupf in einer Umkleide am Strand gefunden, in der ich bei Blitz und Donner mein Mittag gegessen hab bevor ich meine Tour als Eisklotz vollendet habe. 
Es dämmert mir, als hätte da oben irgendjemand all diese Ereignisse zurecht gelegt, um mich aufzuheitern. Danke, Schicksalgott! Ich teile deinen Sinn von Humor. 
Und nun ist es gleich 1 am, und ich sage Gute Nacht. 
Hoffe, ihr hattet alle auch einen schönen Monat und ab und zu mal einen Grund gehabt zum Lachen und wenn nicht, dann hoffe ich dass dieser Post das vielleicht geändert hat. xoxo 



Freitag, 12. September 2014

Von Killerhühnern und Liebesspielchen im Gebüsch

Ich hab vor ein paar Wochen eine Australien-Wolke gesehen und komm da immernoch garnicht drüber weg. Die war einfach so am Himmel, so voll plötzlich, mega geil. (siehe Bild). Und ich denk so, mensch, das musst du jetzt aber fotografieren und der Welt da draußen zeigen. 
Also, Wolke, this ones for you. Ich hoffe, du fühlst dich geehrt da oben am Himmel. Cheers! 


Und damit ein recht wolkiges Hallo zu einem neuen Blogpost, tut mir Leid, wie immer, dass der wieder auf sich hat warten lassen aber ihr wisst ja, wie das so ist mit den betrunkenen Philosophen und paranoiden Malern die sich ihr Ohr abhacken und das größte Meisterwerk des Jahrhunderts malen. Aber zurück zum Thema. 
Wir schreiben mittlerweile September.  SEPTEMBER. 
Das ist der neunte Monat dieses Jahres. (Ein Hoch auf meine mathematischen Fähigkeiten). Der neunte Monat, Leute! Ich bin schon neun Monate in Australien? Aka eine Schwangerschaft?! (und hier nehmen wir mal alle das Hoch auf meine mathematischen Fähigkeiten wieder weg. Denn wer ein Gehirn hat, müsste jetzt bemerkt haben, dass es eigentlich acht Monate sind. *hust*). 
Also, der Austauschschüler, der damit total klar kommt, wie die Zeit vergeht, und alles realisiert und so voll alles im Griff hat, shall not be trusted. 
Ich hab letztens irgendwann vor Ewigkeiten die 200 Tage Grenze passiert. Ab jetzt sind die Tage, die mir noch übrig bleiben, weniger als die, die ich schon hier bin. Ich werde Australien übrigens Ende Januar verlassen, da ich verlängere um einen Monat um noch Weihnachten, New Year und Sommer hier verbringen zu können. Kurz für die records: Schule endet Mitte November. Das bedeutet zwei Monate Sommer(brände), (Todes)sonne, 50 Grad im Schatten und viel, viel Sonnencreme. Und ich freu mich schon :) Das wird cool.

Anfang  August ist meine Gastfamilie von ihrem einmonatigen Europaurlaub wiedergekommen. Das war richtig schön, sie wiederzusehen. Ihr kennt ja bestimmt den Spruch, man realisiert erst, wie wichtig einem jemand oder etwas ist, wenn man's verliert. Ich finde aber, man realisiert erst, wie wichtig einem jemand oder etwas ist, wenn man's verliert und dann wiederbekommt. Ich hab sie hier alle richtig lieb und fühl' mich daheim und bin so froh, hier sein zu können. 
However, Term 3 ist schon voll im Gange. Die ersten Assignments wurden schon eingereicht und alles plätschert so vor sich hin. Nur noch drei Wochen Schule, dann ist auch das dritte Viertel des Schuljahres um und ich hab zwei Wochen Frühlingsferien. Oh dear. 
Was ist noch so passiert? 
Ich sitz gerade in meine Bettdecke gekuschelt in meinem Bett, es ist Freitag, 23 Uhr abends, alles dunkel, Fenster auf, ich lausch' ein paar Grillen draußen während frische kühle Nachtluft in mein Zimmer zieht...
Letzten Sonntag war ich mit Victoria in der Stadt, eigentlich nur um bisschen was zu essen und so rumzuhängen, ja, das war der Plan, wir endeten dann up beim Selfie machen im Museum mit ausgestopften Robben und Elchen, sind auf der Suche nach Frozen Yogurt in CottonOn (Klamottenladen) hängengeblieben und ich hab um die $100 Dollar ausgegeben insgesamt. Ugh. Aber wir haben auch den besten Milkshake/Coffee/IcedChocolate Shop in Perth gefunden. Iced Chocolate for the win! 
Außerdem hab ich mir in einem Touristenshop eine Australia College Jacke in den Nationalfarben gekauft, siehe Bild. Da is auch die Flagge drauf aber da sind meine Hände vor. Diese Jacke ist mein Herz und meine Seele. Genau wie Sherlock (BBC Version). Obsessions meine Freunde, obsessions. 
Meine kleine Gastschwester hatte letztens auch ihren dritten Geburtstag. 
Okay, letztens bezieht sich in diesem Fall auf Anfang August, haha. Is schon klein bisschen her ;) Glaubt mir, ich hab noch nie in meinem Leben so viel Pink gesehen. 
Ich hab mich dazu bereit erklärt, den Kindern das Gesicht zu bemalen mit Face paint Farben. Und bin danach richtig auf den Geschmack gekommen und mir auch einen kleinen Overlook gegeben. ;) war wieder so eine dieser Mitternachts-superkreativ-Phasen.
Außerdem war ich die letzten zwei Wochen Hühnersitten. Des Nachbars' sechs Hühner brauchten eine Mama aufgrund des Nachbars' Urlaubsreise, und weil ich ja so ein liebes Kind bin, hab ich mich dazu bereit erklärt, unwissend, was ich auf mich genommen habe. Und versteht mich nicht falsch, ich liebe Hühner, die sind flauschig und machen recht amüsante Geräusche, aber alles andere ist einfach… gah. 
Die Killerhühner und ich im Zweikampf
Also erstmal, ich hab' noch nie so viel Panik gehabt in meinem Leben, außer vielleicht wenn ich im Dunkeln zu meinem Bett laufen muss. 
Dieser kleine Hühnerstall, in AUSTRALIEN, das Australien mit den fünftausend Ameisenarten und tödlichen Spinnen und Killerkakerlaken und wat noch all. 
Diese sechs Hühner haben mir den Todesblick zugeworfen. Ich war fest davon überzeugt, dass sobald ich denen in die Augen gucke, greifen die mich an und zerfleischen mich. 
Zweitens, SPINNEN. Muss ich dazu noch mehr sagen? 
Über mir, unter mir, neben mir, vor mir, hinter mir… es war wie im Dschungelcamp, ehrlich. Ich musste beim Betreten des Stalls mit einem BESEN in der Luft herumfuchteln um den Weg von Spinnenweben zu befreien. Und dann da durchlaufen. Da, wo noch einige Minuten vorher fette Spinnen genüsslich ihr Leben gechillt haben. 
Dazu brauch' man schon Eier. 
Apropos Eier, die hab ich auch sammeln dürfen. Nicht meine eigenen, ich meine die der Hühner. Und glaubt mir, beste Tätigkeit meines Lebens. Hätte glatt anfangen können, We are the champions zu singen sobald ich aus dem Stall raus war ohne eine Spinne auf mir zu finden, mit diesen noch warmen Eiern in der Hand. 
Wir hatten definitiv unseren Spaß ;) 
Gestern hatten wir Sports Carneval in der Schule. Das ist wie Bundesjugendspiele, nur freiwillig und mit mehr Teamgeist. Die Schulen sind in vier "Häuser" aufgeteilt, diese Häuser treten gegeneinander an, jedes Haus hat n eigenes Motto wie zb Tiger oder ne Farbe und alle ziehen sich dementsprechend an. 
Ja, nun ja, mit dem Teamgeist da hat's meine Schule nich so. Oder das ganze freiwillig zu machen, war ein Fehler. 473 Absentees allein aus Year 11. Inklusive mir. 
Wer braucht auch schon Sport, pff. ;) 
In Childcare haben wir diesen Term Playgroup jeden Montag. Das ist wie ein Kindergarten, den die Klasse organisiert, und der in der Schule stattfindet, wir haben richtig so Spielzeug, n Bällebad und so. Kinder zwischen 0 und 4 kommen dann für eine Stunde zum Spielen und Basteln. Danach schreiben wir Berichte über deren Verhalten und die Aktivitäten und wie die das gefördert hat und so. Find ich ne echt gute Sache. Deutsches Schule, hier bitte ne Scheibe abschneiden. (Aber bitte, bitte nicht vom Rest des Schulsystems hier!!)

Oh, achja, eins noch! Als ich mit Vic in der Stadt war, haben wir nen süßen kleinen Park gefunden, und während wir da so rumlaufen, fällt uns auf, dass da eine Tasche einfach so auf dem Rasen liegt. 
Ich joke noch herum von wegen da is ne Bombe drin, während wir da vorbei laufen, als Vic plötzlich aufs Gebüsch pointet (sorry,ich streng mich wirklich an aber mir fällt das deutsche Wort beim besten Willen nicht ein). Der busch hat gewackelt.
Keine Magie, kein Public Prank, neeee. Pustekuchen. 
Wir warteten in sicherer Entfernung, bis sich der lebendige Busch als ein Päärchen entpuppt, dass sich gedacht hat, ach, warum treiben wir's eigentlich nicht mal im Gebüsch, ist doch ganz nett, und frische Luft ham wa auch. 
Diese Schlingel. 
Keine Sorge, Mama, kein FSK18+, die Kleider hatten'se schon wieder am Leibe, lediglich ein paar Blätter im Haar hätten auf ihre schlingelige Tätigkeit hinweisen können. 
In Australien sind die Leute wirklich locker drauf. Vielleicht ein bisschen zu locker. ;) Ich fand's ganz amüsant, vielleicht erheitert meine Entdeckung ja auch den ein oder anderen unter euch. 

*!!Achtung!! Sentimentaler langer Text folgt* 
Jetzt, nach acht Monaten in Australien, fühlt sich alles so ungaublich heimisch an. Ich kenn die Buszeiten auswendig, könnte im Schlaf zur Trainstation laufen und weiß, welcher Milkshake bei Boost am besten schmeckt. 
Und ich hätte nie gedacht, dass einem ein einst fremder Ort und fremde Leute so ans Herz wachsen können. 
natürlich, ja klar steh ich auf dem Dach was denkstn du. duh. 
Ich träume in letzter Zeit auffällig häufig vom Zurückkehren nach Deutschland. In manchen Träumen treff' ich irgendwelche Stars am Flughafen, in manchen hab ich jegliche Getränke vergessen und muss ohne Wasser nach Deutschland kommen, in manchen verpass' ich alle möglichen Flugzeuge und hab keinen Koffer, - der Punkt ist aber, ich bereite mich langsam mental darauf vor, diesen Ort zu verlassen. Auch, wenn es noch vier Monate sind, der Tag des Abschiedes wird schneller kommen als mir Recht ist. 
Ich kann mir nur wage vorstellen, wie es sich anfühlen wird, Australien aus dem Flugzeug langsam hinter mir verschwinden zu sehen, und ein paar Stunden später in meinem Bett in Deutschland zu liegen. 


Es ist alles wie ein Film, ein Traum. Ich bin hier, und plötzlich bin ich auch schon woanders. 
Und all die Menschen und Orte, mit denen ich hier eine tiefere Bindung aufgebaut habe, werden wieder aus meinem Leben gerissen. 
Auf der einen Seite ist es aufregend, das ganze Reisen, immer an neuen Orten sein, neue Leute kennenlernen, sich neuen Abenteuern stellen. 
Zu lernen, wann du dem Ozean lauschst und wann du selbst der Ozean bist. 
Aber auf der anderen Seite ist es unglaublich schwierig, zu akzeptieren, dass nichts für immer anhält und dass man sich nur kaputt macht, wenn man an Erinnerungen oder Menschen krampfhaft festhält und den nächsten Schritt nicht wagen mag. 
Aber das Leben ist eine einzige Treppe. 
Bleibst du stehen, kommst du nicht weiter. Logischerweise. 
Und nicht für alles und jeden ist Platz auf der nächsten Stufe. Manchmal musst du Leute zurücklassen, und dankbar sein, dass sie für eine Weile dein Leben verschönert haben. 
Und das ist es dann.
Schöne Schmetterlinge, schönes Essen und eine
schöne Kulisse auf dem Heimweg vom Ballett 
Und du drehst dich um und gehst weiter und es werden neue Leute kommen und diese neuen Leute wirst du wieder in dein Herz schließen.
Aber ich will bestimmte Leute nicht zurücklassen. 
Was ich hier gefunden habe, ist eine zweite Familie. Eine kleine Schwester. Freundschaft. Liebe. Glück und Trauer. 
Ich hab' Angst vor dem schwarzen Loch, in das ich fallen werde, wenn ich all das plötzlich aufgeben muss. 
Und ich weiß nicht, wer mir eine Leiter reichen wird, damit ich aus dem Loch wieder herausklettern kann. 
Ich bin noch nicht bereit, dieses Jahr in Digitalform an meine Zimmerwand zu pinnen und weiterzugehen. 
Das macht mich hier häufig mental 'n bisschen sentimental. Aber es sind ja noch vier Monate, und die werden erstmal richtig geil. 

Falls ihr immernoch nicht genug von mir habt, schaut mal auf meinen YouTube Kanal vorbei, ich fange jetzt an, da häufiger Videos zu posten zu verschiedenen Dingen :) Hoffe, euch geht's allen gut und wenn nicht, dann hoffe ich, dass sich das Leben bald wieder für euch richten wird. <3 (sagt man das so? gott mein Deutsch ey..) 
*hier geht's zu meinen Videos*

Und bevor ich mich verabschiede, muss ich nochmal klarstellen, ich hab die Hühner lieb und hab auch nicht mit ihnen gekämpft haha, nicht dass hier falsche Bilder entstehen, wir haben eine durchaus gesunde Kurzzeit-Beziehung geführt, alles gut, keine Sorge, ich liebe Hühner ;) 

Anna xo